Bericht über die CAD Vollversammlung in St. Thomas, Trier


CAD 2018 in St. Thomas, Bistum Trier

Über 40 Personen trafen sich am Donnerstag, 19. Juli, zur CAD 2018 in St. Thomas in der Diözese Trier. Schon bei der Begrüßung merkte man deutlich, dass wir uns alle auf diese Tage freuten und auf die Begegnung mit unseren Cursillo-Freunden.

Am Donnerstag Abend wurde, entgegen sonstiger Gepflogenheit, schon in der Vorstellungsrunde die Situation in den einzelnen Diözesen thematisiert. Die Probleme sind ähnlich: die Mitarbeiter werden immer älter, Junge kommen nur wenige nach, zunehmend müssen Cursillos abgesagt werden oder finden mit wenigen Teilnehmern statt, die neuen Wege, von denen wir uns viel versprochen haben, haben den Cursillo nicht wirklich belebt. Auf der anderen Seite sind Vertiefungen und Wochenendangebote noch gut besucht und die Resonanz auf die Kurse von Seiten der Teilnehmer ist gut.

Um 21.00 Uhr fand die Hauptversammlung des Cursillo Freundeskreises statt.

Am Freitag war dann das Thema an der Reihe, das großes Interesse geweckt hatte, Madeleine Delbrêl. Frau Dr. Annette Schleinzer promovierte 1980 bei Dr. Lehmann, dem späteren Kardinal Lehmann, über diese Frau. Und seitdem ist sie selbst von ihr sehr angerührt und beschäftigt sich seit fast 40 Jahren mit ihr.

Madeleine D. wurde 1904 bei Bordeaux geboren und starb 1964. Sie wuchs in einer traditionellen katholischen Familie auf. Bis zum 10. Lebensjahr war die kleine Madeleine ein religiöses Mädchen. Dann zog die Familie nach Paris und der Vater begann sie mitzunehmen in atheistische Kreise. Diese beeinflussten sie sehr in ihrem Denken und Fühlen, so dass sie sagte, dass sie durch diese atheistische Atmosphäre mit 15 Jahren total atheistisch geworden war, denn sie habe erfahren, „dass man die Welt auch naturwissenschaftlich erklären kann.“ „Glaube und Religion ist etwas für Menschen, die mit ihrem Leben nicht zurechtkommen.“ Die Frage, wie Gott das Leid in der Welt zulassen kann, trieb sie um, übrigens ihr ganzes Leben lang.

Sie studierte dann atheistische Philosophie und Kunst, künstlerisch war sie sehr begabt. Mit 17 Jahren schrieb sie einen Aufsatz mit dem Titel „Gott ist tot, es lebe der Tod.“ Denn in ihren Augen waren alle Anstrengungen der Menschen sinnlos, denn es lief ja alles auf den Tod zu.

Sie war einerseits eine „verrückte“, lebenshungrige, interessante Frau, auf der anderen Seite wurde sie von Freunden als traurig und schwermütig beschrieben.

Obwohl sie auch die Ehe für sinnlos erachtete und ablehnte, verliebte sie sich 1922 in einen jungen Mann, der überzeugter Christ war. Das Verhältnis wurde rasch eng und es stand die Verlobung an. Da verschwand der Mann plötzlich ohne Erklärung aus ihrem Leben und ging in ein Kloster. Es begann für Madeleine eine schlimme Zeit, zum einen musste sie den Verlust des geliebten Menschen verkraften, zum anderen hatte ihr Atheismus Sprünge bekommen. Monatelang war sie in psychiatrischer Behandlung.

Nach ihrer Entlassung 1924 fing sie an, sich mit Thomas von Aquin zu beschäftigen und sie verkehrte in christlichen Kreisen.“Ich entschloss mich zu beten.“ Sie fühlte, dass sie von Gott gefunden worden war. Sie sortierte ihr Leben neu, es musste ab jetzt mit Gott zu tun haben. Sie wurde in ihrer Gemeinde aktiv, wurde eine begeisterte Pfadfinderin. Sie lernte Gitarre, sie sprach von einer „Berufung zur ungeteilten Liebe zu den Menschen“. Die kirchliche Einteilung in geistliche Berufe und Laien fand sie unsinnig.

Sie wollte nicht nur Jesus folgen, sie wollte der heute lebende Jesus sein.

„Wir sind ein Sakrament der Liebe Jesu, eine Übergangsstelle der Liebe Gottes zur Welt.“

Um unabhängig zu sein, musste sie Geld verdienen. So nahm sie 1933 mit zwei „Mitschwestern“ eine Wohnung in Ivry, einem Vorort von Paris, weil der dortige Pfarrer eine Sozialstation gründen wollte. Sie wurde in dieser atheistischen Umgebung mit dem Problem konfrontiert, im „banalen Leben geistlich zu leben. Wie kann ich die Menschen hier zu Gott führen? Wie kann ich Gott hier einen Ort sichern?“

  1. war eine rebellische Frau, sie sah die Kirche ihrer Zeit sehr kritisch. Trotzdem war ihr die Kirche sehr wichtig, die Gemeinschaft, sogar die Hierarchie. Jesus ja, Kirche nein, war nicht ihr Credo. „Gott ist mir letztlich in der Kirche begegnet.“ Allerdings sagte sie auch „Es ist schwer, sich in der Kirche gut zu benehmen, wenn man eine Frau ist“!

Seit 2003 läuft für sie der Seligsprechungsprozess und sogar die Dt. Bischofskonferenz hat den Papst gebeten, das Verfahren der Seligsprechung zu beschleunigen. Sie ist ein leuchtendes Beispiel für Laienapostolat.

Was sie so besonders macht, ist ihre Authentizität, sie lässt sich nicht einordnen, nicht spirituell, nicht politisch.

Sie lebte und wirkte in Ivry bis zu ihrem Tod. Und uns allen war wichtig, zu hören, wie sie es in dieser atheistischen Umgebung, in der die Menschen im Bezug zur Religion ein unsichtbares Schild auf der Brust trugen mit der Aufschrift „Kein Bedarf!“, schaffte, Glauben zu vermitteln.

Frau Dr. Schleinzer nannte 5 Aspekte:

  1. Nicht wir bekehren andere Menschen, das tut Gott. Es geht in erster Linie immer erst einmal um unsere eigene Bekehrung. Wenn Menschen mit unseren Gemeinden in Kontakt kommen, empfinden sie diese Gemeinden wie einen Verein und sind eher abgestoßen.

Wir müssen wieder entdecken, wie lebendig Gott ist und unsere christlichen Traditionen hinterfragen.

  1. Unsere religiöse Sprache ist die Sprache von längst verstorbenen Menschen, also eigentlich eine „tote Sprache“. Es gilt, ständig diese Sprache für die Menschen heute zu übersetzen, d.h. auf das Hoffen des Nächsten zu lauschen. Auch die Art, wie wir sprechen, spielt eine große Rolle. Wir müssen lernen, zu sprechen, dass die Wörter ‚klingen‘.
  2. Eine der fruchtbarsten Möglichkeiten, Menschen aufzuschließen ist die absichtslose Herzensgüte. Jesus hat oft das Gesagte mit einer Geste der Zuwendung verbunden. Das rührt Menschen an. Es gibt nach Delbrêl keine gottlosen Menschen, da alle Menschen Geschöpfe Gottes sind, das Gottesbewusstsein kann aber schlummern.

Wir sind dazu da, dass Gott in uns zur Welt kommt, es geht darum, Gott auszusäen.

  1. Madeleine D. war immer mehr davon überzeugt, dass Gemeinschaften als kleine Zellen vor Ort wichtig sind. Diese haben größere missionarische Kraft als Einzelpersonen oder auch Pfarreien.
  2. Und dies war ihr am allerwichtigsten: Das erste missionarische Motiv ist, Gott zu verherrlichen, Gott die Ehre zu geben. Anbetung um Gottes Willen! Es braucht Leuchtpunkte, brennende Dornbüsche, die wiederum andere Menschen mit hineinnehmen in die Anbetung.

Gott braucht unsere Einsamkeit, in der wir vor ihm stehen, sitzen, knien.

Wir waren alle sehr bewegt von diesem Tag mit Madeleine Debrêl und es ging vielen von uns auch so, wie Frau Dr. Schleinzer es beschrieb: „Ich habe den Eindruck, dass sie nicht weit weg ist, irgendwie ist sie immer um mich herum“.

Es war ein gutes Zusammentreffen, dass wir ja dann die Nacht hindurch in der Anbetung verharren durften. Das hat das Gehörte vom Tag nochmal lebendig werden lassen und Tiefe gegeben.

Am Abend beehrte uns ab dem Abendessen Bischof Stephan Ackermann mit seinem Besuch. In der Abendrunde ging es hauptsächlich um die Synode der Diözese Trier. Er feierte dann noch einen schönen Gottesdienst mit uns in der Kirche.

Am Samstag früh wurden wir mit dem Bibeltext der Aussendung der 72 auch wirklich zu zweit „geh-sendet“ um uns zum Bibeltext und einigen Impulsen auszutauschen. Im Vorraum unseres Tagungsraumes wurden dann Stichpunkte für alle sichtbar gemacht, aber es wurde nichts im Plenum zerredet, das fand ich an dieser Stelle sehr gut.

Danach überraschte uns Birgit Geier mit einem Bibliolog. Da ging es um einen Schrifttext, den sie vorgetragen hat. Sie wiederholte jeweils einen Vers und übertrug die handelnden Personen auf uns. Wir sollten uns in die eine oder andere Person bzw. Situation versetzen. Teilnehmer, die dann aufstanden, erzählten, was sie empfinden und mitteilen möchten. Das hat die Birgit in mitfühlendem Verstehen dann wiederholt oder zusammengefasst. Das war eine sehr berührende, tief gehende Einheit!

Nach dem Mittagessen ging es gegen 13.30 Uhr auf die Wanderung nach Kyllburg zum Stiftsberg. Die meisten von uns trauten sich Weg und Steigung zu, die umsichtigen Trierer hatten aber auch schon vorgesorgt, dass alle dabei sein konnten und fuhren mit PKWs nach Kyllburg.

In der Stiftskirche bekamen wir vom Dechanten eine sehr schöne Kirchenführung. Sein ganzer Stolz war eine zweite Orgel, die er gekauft hatte und die ihren Platz hinter dem Hochaltar gefunden hat. Vom Spieltisch aus kann man beide Orgeln spielen, das funktioniert über Funk. Das hat dem Wolfgang Gramer große Freude gemacht und er spielte begeistert die beiden Orgeln.

Wir waren im Pfarrsaal noch zu Kaffee und leckerem Kuchen eingeladen, ein rundum gelungener Nachmittag. Gewitter und Regen gingen auch woanders nieder, so dass wir wieder trockenen Fußes nach Hause kamen.

Am Abend gab es ein leckeres Büffet in unserem Veranstaltungsraum, super!!

Leider mussten wir vom Carsten erfahren, dass die Farben schwarz und weiß das Bunte verdrängt haben und sich sogar der Regenbogen zerstritten hatte. Orange wollte nicht mehr neben Rot liegen und ähnliche solche Katastrophen. Nun lag es an den Diözesen, die Harmonie unter den Farben wieder herzustellen. Und wir gaben uns alle Mühe und diese wurde belohnt, denn am Ende trug jede Gruppe dazu bei, dass die Farben sich wieder miteinander versöhnten! Ein schöner Abend!

Dann wären noch die schönen Gottesdienste zu nennen, die wir gefeiert haben, sowie das berührende Abendlob von Pilar und Alfred „Abschied“ und das schöne Morgenlob am Freitag von Michael Kuczera und am Sonntag von Martina.

Sehr schön waren auch die Figuren und Texte im Vorraum von Kamila, die außerdem eine wunderbare Mitte gestaltet hatte, danke Kamila!! Du bist ja eine Künstlerin!

Danke an das Haus, in dem wir sehr gut untergebracht waren und das uns wunderbar verpflegt hat.

Danke an die Priester Michael, Wolfgang und Carsten!

Und ganz besonders allen Trieren ein ganz herzliches Dankeschön für die tolle CAD, für alles Planen, Sorgen, für den netten Willkommensgruß im Zimmer und das Ausflugsprogramm!!!

Danke an das KT für Planung und Organisation, Zeit und Mühe!

Es war wieder ein schönes Miteinander!

Angelika Kernwein