Bericht über das Treffen des Europäischen Trägerkreises


Miteinander für Europa


Bericht über das Treffen des Europäischen Trägerkreises in Prag vom 15. -17.11.2018 in Prag

Zum ersten Mal fand ein Treffen des Europäischen Trägerkreises des MfE in einem Land des ehemaligen Ostblocks statt. Zum einen lag der Grund darin, dass eine Ausweitung des MfE nach Zentral- und Osteuropa ein schon länger festgelegtes Ziel war und zum anderen wollten die Westeuropäer von den Erfahrungen der Kirchen vor und nach der Wende lernen.

Am Donnerstagabend hörten wir bereits Zeugnisse wie sich das kirchliche Leben unter der kommunistischen Herrschaft im Untergrund abspielte und wie sich nicht alle Hoffnungen nach der Wende erfüllten und die Christen von der überwiegenden Ablehnung durch ihre Landsleute enttäuscht wurden. Leider haben die Bischöfe ihren anfänglichen Kredit bei der Bevölkerung wieder verspielt.

Am Freitag hörten wir zunächst den Impuls von Jaroslav Sebek, einem Historiker und Kirchenrechtler, über die Herausforderungen der christlichen Kirchen in der Tschechischen Republik heute. Sein Befund war, dass die Angst ein bestimmender Zustand der Gesellschaft ist und christlicher Glaube wesentlich zur Überwindung der Angst beiträgt.

Pavel Fischer, einer der führenden Politiker Tschechiens, sprach dann zum Thema Europa. Er betonte, dass der Mensch ein rationales und emotionales Wesen ist, die Emotionen aber nicht genügend beachtet werden. Das gilt sowohl zwischen Menschen, aber auch zwischen Ländern oder Kirchen. Er plädierte als ehemaliger Geiger eines angesehenen Orchesters dafür, dass die Kunst viel stärker als Vermittler von Emotionen auftreten sollte. Er sprach sich dafür aus, dass die Menschen nicht nur als Konsumenten wahrgenommen werden, sondern dass sie als Bürger mit Würde und Freiheit ausgestattet sind. Weiterhin zeigte er auf wie wichtig es ist, dass lebendige Gemeinschaften miteinander kommunizieren und sich der Mensch nicht nur in der Masse verortet bzw. sich als Teil der Masse fühlt. Gegen Ende seiner Ausführungen betonte er noch wie wichtig Vaclav Havel für den Übergang zu einer freien Gesellschaft war. Pavel Steiner war eine Zeit lang Sekretär von Vaclav Havel. Am Ende legte er noch ein beeindruckendes Zeugnis über das Leben und Sterben seines schwerst behinderten Sohnes ab. Seine Schlussfolgerung war, dass nicht die Bedürftigen die Gesunden brauchen, sondern dass es für die persönliche Entwicklung umgekehrt richtig ist. Er hat das auch auf die Beziehungen zwischen Ländern ausgeweitet.

Danach stellten Personen und Gruppen dar, welche Zeichen der Hoffnung in Tschechien und der Slowakei sichtbar werden.

Der bekannte Soziologe, Philosoph und Theologe Tomas Halik beleuchte am Nachmittag nochmals aus seiner Sicht und mit seinen Erlebnissen die Zeit vor und nach der samtenen Revolution. Er glaubt fest daran, dass entgegen oberflächlichen Betrachtungen viele Menschen auf der Suche sind. Er hat einige Ausdrücke geprägt, z.B. den „Etwasismus“. Ich glaube nicht, dass es Gott gibt, aber etwas muss es doch geben. Er betonte sehr stark, dass wir hinhören und viel Geduld haben müssen wenn wir Menschen begleiten. Dann gäbe es noch die „Apatisten“, eine Art von Menschen die nur sehr schwer aufzurütteln sind. Tomas Halik hat durch seine Arbeit bereits über 2000 junge Menschen zur Taufe geführt. Er hat auch begründet, dass es in Zeiten von schnellen Veränderungen nicht möglich ist mit alten Lösungen die Menschen zu erreichen. Sein Schlusswort hat mir besonders gefallen: „Die Wahrheit ist ein Buch, das noch niemand zu Ende gelesen hat.“

Der Samstagvormittag war davon erfüllt, wie der Europatag am 9.Mai 2019 von MfE genutzt werden kann um unsere Botschaft in ganz Europa aufleuchten zu lassen. Bis jetzt ist geplant 6 Wochen vorher mit einem gemeinsamen Gebet den 9. Mai vorzubereiten. Die Vision ist, dass am 9. Mai in 1000 Städten eine Aktion des MfE stattfindet.

Das Treffen in Prag hat auf alle Fälle das gegenseitige Verstehen von Ost und West weiter gefördert. Ganz besonders hervorzuheben ist, dass über 20 Teilnehmer weniger als 35 Jahre alt waren. In Gesprächen habe ich herausgehört, dass sie von den Ideen des MfE und den Umgang miteinander sehr angetan waren. Das ist ein großes Zeichen der Hoffnung.

Abschließen möchte ich mit Worten des großen tschechischen Reformators Jan Hus, der auf dem Konzil von Konstanz als Ketzer auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde, aber in der Zwischenzeit von Johannes Paul II rehabilitiert wurde. Über die Wahrheit hat er folgendes gesagt:

Suche die Wahrheit

Höre die Wahrheit

Lerne die Wahrheit

Liebe die Wahrheit

Spreche die Wahrheit

Halte dich an die Wahrheit

Verteidige die Wahrheit bis in den Tod,

weil die Wahrheit dich befreien wird.

 

P.S. Da ich das Privileg habe den Cursillo im MfE zu vertreten, sehe ich es als meine Pflicht an euch zu informieren, auch wenn ich die vielen Begegnungen und die Atmosphäre nur unzureichend beschreiben kann. Über eine Rückmeldung von euch würde ich mich sehr freuen.

Josef Vilsmeier (j.vilsmeier@t-online.de)