Bericht über den Studien- und Einkehrtag der Cursillo-Bewegung in der Diözese Eichstätt am 16. März 2019


Unsere Diözesanultreya im Rahmen eines Einkehr- und Studientages in Zusammenarbeit mit der Pfarrei Heilig Kreuz war wieder, wie schon in den beiden vorhergehenden Jahren, gut besucht. Prof. Dr. Hans-Georg Gradl, Professer für Exegese des Neuen Testaments an der Theologischen Fakultät der Universität Trier, referierte zum Thema „Wunder – Illusion oder Wirklichkeit“.

In vier Vortagseinheiten, je zwei am Vormittag und am Nachmittag, vermittelte der Referent zunächst einen Überblick, gleichsam mit dem „Fernglas“, über das einem modernen Menschen schwer zugängliche Terrain. So lernten die Zuhörer verschiedene Wundergattungen kennen, die man in den Evangelien des Neuen Testaments findet, z. B. Heilungswunder einerseits sowie Rettungs- Geschenkwunder oder Erscheinungen andererseits. Interessant sei auch, dass man keine Straf-, Profit- oder Schauwunder finden könne. Es käme bei den Wundern Jesu nicht auf spektakuläre Ereignisse an, die möglicherweise im Widerspruch zu den Naturgesetzen stünden, wie wir sie heute im 21. Jahrhundert kennen, meinte Professor Gradl. Neutestamentliche Wundererzählungen zielen stets auf den Glauben ab. Er ist für Christen der entscheidende Schlüssel zur Deutung der Wunderberichte in den Evangelien.

Gleichsam mit der „Lupe“, d. h. in Form einer detaillierten Exegese, untersuchte und deutete Prof. Gradl exemplarisch den Wunderbericht über den „Gang Jesu auf dem See“, von dem im Mathäusevangelium berichtet wird. Prof. Gradl erklärte, dass die meisten Wundererzählungen nicht exakt historisch gesehen werden dürfen, dass aber trotzdem immer ein Schlüsselerlebnis der Jünger mit Jesus, gleichsam als „Haftpunkt“ für die Erzählung, vorhanden sei. Vor allem Rettungs- und Erscheinungswunder seien aus dem nachösterlichen Blickwinkel einer bedrängten christlichen Gemeinde zu deuten. Der Glaube an die Nähe Jesu, auch wenn der Herr nicht mehr im Kreise der Jüngergemeinschaft unmittelbar „greifbar“ ist, bringt den jungen Christengemeinden Beruhigung und schenkt Vertrauen.

Neben der Deutung sagenumwobenener apokrypher Wundererzählungen war vor allem die vierte Vortragseinheit mit dem Schwerpunkt „Wunder und Inklusion“, Wunder unter einem aktuellen Blickwinkel, sehr interessant. Exklusivität würde bedeuten: Behinderungen müssen beseitigt, Behinderte dem vermeintlich „Normalen“ angepasst werden. Nur das Makellose ist Teil der guten Schöpfung Gottes. Im Gegensatz dazu plädiert z. B. Ulrich Bach in seiner „Theologie nach Hadamar“ dafür, dass „Behindertsein“ und „Nichtbehindertsein“ jeweils eine gleichwertige Möglichkeit innerhalb der guten Schöpfung Gottes sei, jeweils ein Teil der Vielfalt der Schöpfung. Behinderte dürften nicht als „reparaturbedürftig“ abqualifiziert werden. Diese Deutung stützt sich auf die Tatsache, dass Jesus bei Heilungswundern nicht nur ein Defizit beseitigte, sondern zuerst Zuwendung schenkte und die Aufhebung sozialer Ausgrenzung bewirkte. So können wir heute in der Beschäftigung mit den Wunderberichten des Neuen Testaments lernen, Menschen nicht nach ihren vermeintlichen Makeln zu beurteilen. Die Frage bliebe offen, wer überhaupt gänzlich ohne Maklel und vollkommen perfekt ist. Im Sinne Jesu gilt es, den „ganzen“ Menschen zu sehen, ihn anzunehmen, so wie er ist, und sich um ihn zu kümmern.

Den Abschluss des Studientages bildete die Feier der Vorabendmesse in der Pfarrei Heilig Kreuz. Prof. Gradl legte in seiner Predigt das Erscheinungswunder auf dem Berg Tabor aus.

Ähnlich wie die Jünger nach dem Taborerlebnis wieder zurückkehrten in die „Niederungen ihres Lebens“, gingen auch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dieses Studien- und Einkehr-tages und unserer Ultreya wieder zurück in ihren Alltag, ermutigt und gestärkt, durch die Be-gegnung mit IHM, unserem Herrn, und in froher Gemeinschaft untereinander.

Siegfried Lindner