Menschen zu Christus führen


Erinnerungen an 45 Jahre Cursillo-Arbeitsgemeinschaft Deutschland (CAD)

Die Wurzeln der CAD liegen – wie könnte es anders sein – auf Mallorca. Beim III. Welttreffen der Cursillo-Sekretariate im November 1972 auf der Baleareninsel ging es unter anderem auch darum, dort, wo die Cursillo-Bewegung sich in einem Land auszubreiten begann, die Aktivitäten zu koordinieren, um trotz aller unterschiedlichen nationalen oder regionalen Gegebenheiten die Einheit und Authentizität des Cursillo zu wahren und zu stärken. Für Deutschland nahmen an diesem Welttreffen Pfarrer Robert Ammer, Regensburg sowie aus der Diözese Rottenburg-Stuttgart Pater Stephan Oetzbrugger OFMCap und Wolfgang Schneller teil. An einem Abend kam es dort zu einem intensiven Austausch mit P. Josef G. Cascales aus Wien und Vertretern der Spanischen Katholischen Mission in Hamburg (Don Ramón Suárez, Don Jerónimo López und Mari Gutiérrez), und dort formte sich der Entschluss, bald eine deutsche Cursillo-Arbeitsgemeinschaft ins Leben zu rufen. Im Rahmen dieses Welttreffens auf Mallorca wurde übrigens von den dort anwesenden Gründern des Cursillo, Eduardo Bonnin, Don Sebastian Gayá und Bischof Juán Hervás vor dem Eingang des Klosters Sant Honorat auf dem Berg Randa eine Gedenktafel enthüllt, die an die Entstehung dieser weltweiten Bewegung und den ersten (gezählten) Kurs am 07.-10.01.1949 an diesem fast mystisch einsam gelegenen Ort erinnert.

Schloss Spindlhof in Regensburg Die Gründung der CAD erfolgte am ersten Mai-Wochenende 1973 im Spindlhof in Regensburg mit einer konstituierenden Versammlung von Cursillo-Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus 5 Diözesen, in denen der Cursillo bereits eingeführt worden war (Rottenburg-Stuttgart/1961, Regensburg, München, Limburg und Freiburg).
Ins erste Leitungsteam wurden zwei Priester, Pfarrer Robert Ammer und P. Stephan Oetzbrugger sowie zwei Laien, Peter Hofinger aus München und Wolfgang Schneller aus Rottenburg gewählt.
Sitz der CAD wurde für die ersten Jahre das Diözesanzentrum am Obermünsterplatz in Regensburg, bevor es später nach Rottenburg verlegt wurde.
Die kontinulierlich jedes Jahr durchgeführten CAD-Vollversammlungen, die Mitarbeiter-Seminare und das Mitarbeiterforum haben die CAD – dank der konstanten Zusammenarbeit aller Cursillo-Sekretariate und der Mitwirkung von namhaften Theologen, Laien wie Priestern und Bischöfen, zu dem gemacht, was die CAD sein und erreichen wollte: der Cursillo-Bewegung in Deutschland ein Gesicht zu geben mit dem Zeugnis, dass es im Cursillo um nichts anderes geht, als „Kirche in Bewegung“ zu sein – als Pilger mit Christus.

 

 

Wolfgang Schneller erinnert sich:

Wenige Tage nach der konstituierenden Versammlung im Mai 1973 stellten wir die CAD dem Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz, Prälat Josef Homeyer vor, damals noch in München. Er zeigte sich erfreut und gab unserer Bitte statt, mit einem jährlichen Zuschuss aus Mitteln der Deutschen Bischofskonferenz die CAD-Arbeit finanziell zu fördern. Ihm imponierte, dass sich die Cursillo-Bewegung fast ausschließlich auf die ehrenamtliche Mitarbeit engagierter Christen stützte.
In den folgenden Jahren besuchten wir dann jeweils die Bischöfe jener Diözesen, in denen der Cursillo als nächstes Fuß fassen sollte: Bamberg, Essen, Fulda, Köln, Mainz, Paderborn, Trier usw. Anlässlich des Katholikentags 1980 in Berlin führten wir mit dem damaligen Erzbischof Joachim Meissner ein langes Gespräch in seinem Westberliner Amtssitz am Lietzensee, und noch im Dezember 1980 fanden – zeitgleich! – der 1. Männer- und der ersten Frauen-Cursillo in verschiedenen Stadtbezirken statt.
Die CAD wurde Stütze und Rückhalt für die weitere Entwicklung und Vertiefung der Cursillo-Arbeit, so auch der Gestaltung weiterer Katholikentage und regionaler Initiativen, der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit usw. Schließlich war zeitweise auch das europäische Cursillo-Sekretariat (GET) und eine Amtsperiode lang sogar das Weltsekretariat (OMCC) in deutscher Hand. Hier muss vor allem das großartige Engagement von Frances Ruppert aus Landshut hervorgehoben werden, die in ihrer Amtszeit bei der Weltultreya 2000 in Rom auch Papst Johannes-Paul II. begegnen konnte.
Es wären noch viele Ereignisse und vor allem Menschen zu nennen, die als vorbildliche Persönlichkeiten der CAD mit ihrem Charisma gedient und damit der Cursillo-Bewegung insgesamt geholfen haben, ihrer Berufung treu zu bleiben, nämlich Menschen für Christus zu gewinnen.

Wenn auch ich selbst nicht wenig für die Entwicklung und Vertiefung der CAD und ihrer Aufgabe tun konnte, so lag das vor allem daran, dass mich die Bischöfe meiner Diözese Rottenburg-Stuttgart immer „am langen Zügel“ arbeiten ließen , obwohl ich als Referent für die spirituelle Bildungsarbeit ein eigenes Aufgabenspektrum zu beachten hatte. Mit ihrer persönlichen Wertschätzung und Großzügigkeit haben sie somit viel dazu beigetragen, der Cursillo-Bewegung immer wieder neue Wirkungsfelder zu erschließen.

Dafür danke ich meinen Bischöfen auch heute von Herzen. Vor allem aber danke ich unserem Herrn, dessen Wort mir immer Ansporn war und ist: „Wem man viel anvertraut hat, von dem wird viel gefordert“ (vgl. Lk 12,48).

M. S., Oberdischingen