Mitarbeiter-Forum in Hünfeld 12. – 15. 1. 2017


Erkenne dich selbst – 2.0

Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.

Mt 16,24

Mitarbeiter-Forum in Hünfeld

An diesem Wochenende sollten die Fragen „Wer bin ich?“ und die im Nachcursillo gestellte „Wie geht es euch im vierten Tag?“ miteinander verbunden werden und so den Blick auf die eigene Mitarbeit im Cursillo beleuchten.

 

So hieß die Einheit am Freitag Morgen, die Michael Kuczera gestaltete:

  • 1. Erkenne dich selbst im 4. Tag
  • a) Das Ja zu mir selbst als Voraussetzung für ein gelingendes Leben. „Ich bin wie ich bin, aber immer von Gott geliebt!“
  • b) Selbstverleugnung als Voraussetzung in der Nachfolge Mk 8,3. Ist das ein Widerspruch? Nein, meinte Michael im Hinblick auf

– das Doppelgebot der Liebe Mt 22,37 -39
– die Tatsache, dass wir in der Taufe Gott als Gewand angelegt haben Gal 3, 26ff
– die Tatsache, dass wir zu Christus gehören, dem einen Leib 1Kor 12

In der Nachfolge Christi bedeutet Selbstverleugnung, dass wir nicht mehr für uns selbst kämpfen müssen.

 

  • 2. Wer bin ich als Mitarbeiter in der Cursillo-Bewegung?

Die folgenden Ausführungen hat Michael immer wieder mit den Ideas fundamentales untermauert, die er auch nebenbei empfahl wieder einmal zu lesen!

– Das Erleben des Wesentlichen im Christentum soll möglich gemacht werden
– Die Mitarbeiterrunde ist die Achse, die der Bewegung Kraft gibt
– Die Gemeinschaft als erste Norm für das Leben in der Mitarbeiterrunde

 

Danach ging es mit Fragen in die Kleingruppen:

– Was hat mich zur Mitarbeit im Cursillo motiviert?
– Wie erlebe ich meine Mitarbeiterrunde als christliche Kerngruppe?
– Wie bringe ich mich als Mitarbeiter ein?
– Welche Veränderungen habe ich im Laufe der Zeit an mir wahrgenommen?
– Was bedeuten für mich „Ehrlichkeit“, „Vertrauen“, „Authentizität“ und „Freiheit“?
– Wo stoße ich an meine Grenzen?

 

 

gramerAm Nachmittag setzte unser Cursillo-Priester Wolfgang Gramer die Begriffe „Vollmacht“ und „Berufung“ miteinander in Beziehung.

  1. Vollmacht

Wolfgang bezeichnete „Vollmacht“ als Gottes Handlungsmöglichkeit. Er belegte das im AT mit dem Satz aus Exodus „Ich will meine ganze Schönheit an dir vorüber ziehen lassen.“
Im NT wird unter „Vollmacht“ eher verstanden, dass das Erbarmen Gottes Priorität hat, mein eigenes Wollen und Streben muss an die zweite Stelle rücken.
Gott hat dem Menschen die Befähigung geschenkt, einen Auftrag zu vollziehen. Der Mensch kann dazu beitragen, dass sich Gottes Gerechtigkeit durchsetzt. Die Gerechtigkeit Gottes weist nicht allen das Gleiche zu, sondern jedem das Seine! Vollmacht ist keine Herrschaft, bei diesem Verständnis käme wieder der alte Adam durch. Wie Wolfgang so schön sagte: „Der alte Adam wird in der Taufe ersäuft, aber der Kerl kann schwimmen!“
Im AT verhelfen die Propheten Gott zu seinem Recht. Im NT vergegenwärtigt nur Jesus das Heil Gottes. Er ist der, in dem Gott präsent wird. Frauen und Männer verkünden durch ihr Leben und Sterben Jesus. So war Maria Magdalena die erste Apostolin.

Wo kristallisiert sich die Vollmacht Gottes?

Im Heil, dass wir zu uns stehen können, in der Gnade, dem Ja Gottes zu den Menschen, an nichts gebunden, in der Versöhnung, der wir bedürfen, da wir immer wieder in Schuld geraten.

Alles, was ich tue, soll eingebettet sein in das Wissen, durchlässig für Gott zu sein. Ohne Gemeinschaft gibt es keinen Glauben, denn glauben hängt eng mit dem Hören zusammen. Die Beziehung untereinander kann auch mal kritisch sein, es kommt dabei auf den Geist an, in dem Probleme angegangen werden.

Seit dem NT gibt es keine Hierarchie mehr. „Einer ist eurer Meister, ihr alle seid Brüder und Schwestern!“ Mt 23

Zur Umsetzung unseres Auftrages nutzen wir unsere Geistesgaben, die ganz alltäglichen. 1Kor 12

Wir müssen vermitteln, dass der Mensch wertvoll vor Gott ist. Mit dem, was man kann, aber auch mit dem, was man nicht kann.

 

  1. Berufung

Es braucht Berufung, um die Vollmacht zu leben! Im AT kennen wir viele Berufungsgeschichten und oft wehren sich die Berufenen zuerst gegen diese Aufgabe.

Die Berufung wird nie ein Besitz, sondern eine Sendung, eine Gabe, die dann zur Aufgabe wird.

Im NT ist Jesus der Berufende. Die Jünger ruft er direkt aus ihrem Beruf ab, er wandelt ihren Beruf in Berufung ab. Das ist dann Nachfolge, Sendung. Das, was ich erhalten habe, soll ich in die Welt tragen. Die zentrale Strömung ist das Gebet.

Die Berufung ist immer:
– eine Begegnung. Glaube als Begegnung mit Jesus Christus, der Hl. Geist bereitet dazu den Boden. Wichtig für diese Begegnung ist die Hl. Schrift.
Heil der Menschen. Was wir im Cursillo den Menschen sagen, soll zu ihrem Heil sein, dann ist es auch heilend für uns.
Entäußerung. Jesus hat sich seiner Macht entäußert und ist Mensch geworden. Ich muss innerlich leer werden, dann kann Gott durch mich sprechen. Gott hat keine anderen „Werkzeuge“ als uns.
Verwandlung. Ich verwandle mich in Gott hinein, indem ich Gott machen lasse.
Heiligung. Ich lasse mich rufen, heiligen.

 

Dazu fanden dann in den Kleingruppen wieder Gespräche statt.


andrija-vraneWir hatten an diesem Wochenende interessanten Besuch aus Kroatien bei uns.
Cursillo-Priester Andrija Vrane aus Zagreb wollte uns über den Cursillo und besonders über den 4 Tag in Kroatien berichten. Das tat er am Samstag Vormittag. Er ist eigentlich nur mit seiner halben Stelle für den Cursillo freigestellt, aber weil sein Bischof anerkennt, wie wichtig seine Cursillo-Tätigkeit ist, hat er ihn ganz freigestellt!

In Kroatien herrschen, was den Cursillo anbelangt, paradiesische Zustände. 2016 wurden insgesamt 55 Kurse gehalten, das heißt, jede Woche ist irgendwo ein Kurs. Es gibt Kurse für Jugendliche, Firmlinge, Familien und gemischte Kurse. Der Ablauf ist etwas anders, weil er jeweils auf die Gruppen zugeschnitten ist, der rote Faden ist aber der Cursillo. Die Erwachsenenkurse gehen von Donnerstag bis Sonntag, für die Jugendlichen und Firmlinge sind es oft Wochenendkurse. Sehr gut angenommen werden auch Kurse für Kriegsveteranen. Unter ihnen ist die Selbstmordrate sehr hoch, die große Nachfrage nach den Kursen zeigt das seelische Elend, in dem sich die Männer befinden.Krapanj

Auf der Insel Krapanj wurde ein altes Kloster gekauft und zu einer Bildungsstätte umgebaut. Im Sommer werden dort Wochenkurse, vor allem für Jugendliche angeboten, eine Art Nachcursillo oder Leben im 4. Tag. Für diese Kurse auf der Insel gibt es 60 Mitarbeiter, die bereit sind, zweimal pro Monat einen Kurs zu halten. Jedes Impulsreferat ist eigentlich ein Zeugnis, das beeindruckt gerade die Jugendlichen sehr.

Die Ausführungen von Andrija Vrane waren sehr eindrucksvoll, auch seine geistlichen Erklärungen. Hier ist noch etwas von dem Aufbruch zu spüren, der bei unseren Cursillos vor wenigen Jahrzehnten auch zu spüren war.


Was noch zu berichten ist ….

lorenzUrsula Lorenz erzählte ganz begeistert vom „Miteinander für Europa“ im Juni/Juli in München unter dem Motto „Begegnung – Versöhnung – Zukunft“.
In diesem Zusammenhang wies sie darauf hin, dass am 11. März in Hildesheim ein Vergebungs-GD zum Lutherjahr stattfindet und am 24. März ein großes Gebet für Europa stattfinden soll.

 

Pilar und Alfred Zschau berichteten wieder von ihrem Projekt „Ernesto“. Im Hinblick darauf, dass der Weltgebetstag heuer von Menschen von den Philippinen gestaltet wird, nochmal interessanter, Informationen von echten „Insidern“ zu bekommen.

Ich will außerdem noch von der schönen, geistlichen Atmosphäre erzählen, die in Hünfeld herrschte. Von Morgen- und Abendlob, Gottesdiensten, nächtlicher Anbetung, einem gelungen Samstag Abend mit Glühwein, Witz und Freude.

Nicht zu vergessen, die gute, freundliche Verpflegung bei den Oblatenmissionaren.

Hünfeld ist einfach eine Tankstelle der besonderen Art!!

Ein ganz dickes Dankeschön an das Koordinationsteam für die gelungenen gemeinsamen Tage!!

 

Angelika Kernwein